Schon seit jeher war die Überquerung der gewaltigen Gebirgsketten des Karakorum, des Hindukusch und des Pamir einer der gefährlichsten Abschnitte der Seidenstraße.
Die Pässe lagen oft über 4.000 Meter hoch. Dort herrschten eisige Temperaturen, plötzliche Schneestürme und vor allem die dünne, schwer zu atmende Luft…, viele Reisende litten unter Höhenkrankheit, lange bevor dieser Zustand überhaupt verstanden wurde. Kamele, die sich in der Wüste bewährt hatten, waren hier unbrauchbar. Sie eigneten sich nicht für die dünne Luft und die schwindelerregenden Pfade. Stattdessen musste man auf Yaks umsatteln, trittsichere Tiere, die besser an die Höhe angepasst waren. Doch selbst sie konnten nicht überall eingesetzt werden. An besonders gefährlichen Stellen haben sich die Männer dann ihre Waren selbst aufgeladen und sie über die vereisten Felsen getragen - eine Tortur für Mensch und Tier.
Der Weg Richtung Süden, über die hohen Pässe und durch die engen Schluchten des Indus galt als besonders riskant. Die schmalen Wege entlang steiler Abgründe boten kaum Platz für Mensch und Tier, ein Fehltritt konnte den sicheren Tod bedeuten. Hinzu kam die ständige Bedrohung durch Räuberbanden. Diese kannten das Gelände genau und nutzten Engstellen, um Karawanen zu überfallen. Alte Chroniken berichten, dass solche Überfälle regelmäßig stattfanden und oft auch brutal endeten.
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Verluste durch Kälte, Hunger, Abstürze oder Überfälle waren häufig und machten diesen Abschnitt zu einer lebensbedrohlichen Passage.
Trotz all dieser Gefahren blieb die Route bestehen. Der Handel zwischen China, Zentralasien und dem indischen Subkontinent war zu wertvoll, um aufgegeben zu werden. Seide, Gewürze, Edelsteine und andere kostbare Waren trieben die Menschen immer wieder dazu, diese gefährlichen Wege auf sich zu nehmen – ein Zeugnis für den enormen wirtschaftlichen und kulturellen Wert der Seidenstraße im Mittelalter.
Und auch heute ist es kaum anders. Die Route durch diese gewaltigen Gebirgszüge hat nichts von ihrem bedrohlichen Charakter verloren – sie hat lediglich ihre Form verändert. Wo einst schmale Karawanenpfade verliefen, zieht sich heute der Karakorum Highway durch das Hochgebirge und verbindet das heutige Pakistan mit China.
Der Karakorum Highway ist eine der höchstgelegenen Straßen der Welt. In vielen Abschnitten verläuft er auf über 4.500 Metern Höhe, durch Regionen, die schon vor Jahrhunderten als unbarmherzig galten. Die Landschaft ist atemberaubend schön – und bedrohlich zugleich. Enge, teilweise unbefestigte Straßen, wo kaum zwei Fahrzeuge nebeneinander Platz haben, steile Felswände, Gletscher, die bis nahe an die Straße reichen, und tief unten schneiden sich reißende Flüsse durch enge Täler. Jeder kleinste Fahrfehler kann den Tod bringen.
Die Gefahren sind geblieben. Statt Räuberbanden sind es heute Naturgewalten, die Reisenden zusetzen. Erdrutsche, Lawinen und plötzliche Steinschläge gehören zum Alltag auf dieser Strecke. Immer wieder wird die Straße nach starken Regenfällen oder durch massives Anschwellen von Schmelzwasserbächen unterbrochen. Ganze Abschnitte können innerhalb von Minuten verschwinden.
Auch die Höhe fordert weiterhin ihren Tribut. Selbst moderne Fahrzeuge und Technik können die dünne Luft nicht entschärfen. Motoren verlieren an Leistung, Menschen kämpfen gegen Schwindel, Kopfschmerzen und Erschöpfung – ganz ähnlich wie damals in den einstigen Karawanen.
Trotzdem ist der Karakorum Highway heute eine wichtige Lebensader. Lastwagen transportieren Waren zwischen den Ländern, Busse bringen Menschen über die Grenze, und auch Abenteurer aus aller Welt wagen sich auf diese Strecke. Was früher Monate dauerte, lässt sich heute in wenigen Tagen bewältigen – doch die Überwindung der extremen Herausforderungen ist geblieben …











