Istanbul


Konstantinopel. Seit fast 1000 Jahren geistiges Zentrum des Abendlandes, Hort des Wissens und des Reichtums, Kirchen und Paläste, Gold und Edelsteine, Bibliotheken und kunstvolle Gärten. Seine Bewohner selbstbewusst, stolz und souverän, überzeugt von der Unbesiegbarkeit ihrer Stadt.

1453. Menschen laufen, hetzen. Getümmel. Schreie. „Is tin polin!“ Is tin polin!“ “In die Stadt!” “Bringt euch in Sicherheit, lauft zurück – in die Stadt!”
Sie sind auf der Flucht vor den sich nähernden Heerscharen Sultan Mehmets. Mit über 100.000 Mann, Tross, Reitern und Kriegern nähert er sich Konstantinopel.

Sultan Mehmet der Zweite. Er ist kein ungebildeter Mann, kein primitiver Barbar. Irgendwie ähnelt er der Stadt, die er erobern will. Er spricht Lateinisch und Griechisch ebenso wie Arabisch und Hebräisch. Er kennt nicht nur die Schriften des Propheten, er hat auch Platon und Aristoteles studiert, ebenso wie die Lehren der Ungläubigen. Ist sich der kulturellen und geistigen Schätze sehr wohl bewusst, die Konstantinopel besitzt. Will eigentlich die Stadt nicht dem Boden gleich machen. Versucht die Belagerten durch die Übermacht seiner Heerscharen zur kampflosen Übergabe zu bewegen. Hat sogar eine Armada von Schiffen über Land ziehen lassen, um die Hafensperre zu umgehen. Land und Wasser gehörten ihm. Ein Zeichen seiner Unbesiegbarkeit. Ein Zeichen seiner Macht und Entschlossenheit. Doch Konstantinopel blieb stolz und ohne Einsicht.

An einem Frühsommertag des Jahres 1453 ist Konstantinopel in nur 24 Stunden eingenommen worden. Grausam und unerbittlich. Und dem Stolz zum Hohn gab der Eroberer der Stadt den Namen Istanbul.